Grüne Ideen und irische Gastfreundschaft – eine Erasmus+ Fortbildung in Dublin
Von Ines Grebien. Vom 27. bis 31. Oktober 2025 besuchte ich die Atlas Language School in Dublin (https://atlaslanguageschool.com) und nahm an einer Fortbildung zum Thema Sustainable Development teil. Die Teilnahme wurde durch Erasmus+ ermöglicht, einem EU-Programm für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport. Erasmus+ stellt Schulen Geld für Auslandsaufenthalte von Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften zur Verfügung. Eine Woche lang beschäftigte sich der Kurs intensiv damit, wie Nachhaltigkeit im Unterricht und im Schulalltag lebendig umgesetzt werden und wie europäische Zusammenarbeit dabei eine wichtige Rolle spielen kann.

Lernen in internationaler Runde
Der Unterricht fand in einer sehr offenen und angenehmen Atmosphäre statt. Gemeinsam mit drei Lehrerinnen aus Finnland und drei Kolleginnen aus Süditalien arbeiteten wir in Englischer Sprache an Themen wie Fast Fashion, den Sustainable Development Goals, Climate Delay und der Circular Economy.
Am ersten Kurstag stand neben dem Kennenlernen der anderen Kursteilnehmer das Thema „Fast Fashion – was trägst du?“ im Mittelpunkt. Wir erarbeiteten in Kleingruppen Fakten zu den negativen Auswirkungen der billigen, schnelllebigen Mode und erstellten Präsentationen zu nachhaltigen Alternativen. Dazu gehört unter anderem, weniger Kleidung zu kaufen, statt sie wegzuwerfen zu reparieren, 2nd-Hand-Kleidung zu verkaufen und zu kaufen oder weiterzugeben. Zum Schluss diskutierten wir darüber, wie man das Thema altersgerecht mit Schülerinnen und Schülern behandeln kann. Am Nachmittag besuchten wir das REDISCOVERY Centre im Norden Dublins, wo wir in einem Workshop erfuhren, wie Kreislaufwirtschaft funktionieren kann und wie lineare Wirtschaft (Ressourcen ausbeuten, Produkte daraus bauen und nach Nutzungsende wegwerfen) in eine Kreislaufwirtschaft, in der alle Ressourcen nach Nutzungsende recycelt werden, transformiert werden kann. Im REDISCOVERY Centre finden sich tolle Beispiele für Upcycling. Aus alten, schrottreifen Fahrrädern werden funktionstüchtige Teile ausgebaut und fahrtüchtige, fancy bicycles gebaut und Möbel vom Sperrmüll mit neuen Stoffen, Polstern oder durch kreative Anstriche aufgewertet. Eine geniale nachhaltige Idee dort ist, aus abgegebenen Farbresten neue Wandfarben zu mischen und diese günstig abzugeben.

Der zweite Kurstag wurde unter anderem den Sustainable Developement Goals (SDGs) gewidmet, die 2015 von der UN für 2030 aufgestellt wurden. Diese SDGs umfassen 17 Ziele, unter anderem Armutsbekämpfung, Kampf für Frieden, Klimaschutz, und Schutz von Natur an Land und in den Meeren. Außerdem erfuhren wir an diesem Tag mehr über Gentrifizierung in Städten wie Dublin. In einem Stadtrundgang konnten wir mit eigenen Augen sehen, wie sich ehemalige Arbeiterwohnviertel in der Innenstadt mit zweistöckigen Backsteinwohnhäusern Hafenviertel in den letzten 15 Jahren zum europäischen Silicon Valley entwickelte, in dem Tech-Firmen ihre europäischen Firmensitze in chicen Stahl- und Glasgebäuden unterhalten, die Mieten aber so teuer geworden sind, dass selbst gut ausgebildete Akademiker kaum noch bezahlbare Wohnungen finden können. Die Führung mit dem Titel »The Liberties Walk & Talk« wurde von einem sehr humorvollen Guide geleitet, der sehr anschaulich vom Wandel der Innenstadt berichtete.
Der dritte Kurstag stand im Zeichen des Themas Klimawandel. In einer lebhaften Debatte lieferten wir Kursteilnehmer uns Argumente in der Rolle als Climate Delayer und Klimawandelleugner oder Klimaschützer und wir versuchten gegenseitig unsere Argumente zu entkräften. Abschließend diskutierte der ganze Kurs gemeinsam, wie man Verzögerungstaktiken beim Klimaschutz erkennt und ihnen im Unterricht begegnen kann. Am Nachmittag entwickelten wir Projektideen für Nachhaltigkeit an Schulen in Kleingruppen. Meine Gruppe entwickelte zwei Modelle für eine nachhaltige Projektwoche, in der statt des normalen Unterrichts Schülerinnen und Schülern Wissen über nachhaltige Mode, Mobilität, Energiegewinnung, Müllvermeidung & Recycling sowie Ernährung erarbeiten und in praktischen Projekten umsetzen sollten. So sollte z.B. ein 2nd-Hand-Modemarkt, ein Müllsammelprojekt und ein veganer StreetFood-Markt von den Schülerinnen und Schülern geplant werden.
Weitere Ausflüge
Neben den Unterrichtsstunden gab es ein abwechslungsreiches Begleitprogramm. Bei einer Orientierungstour erkundeten wir zunächst die nähere Umgebung der Schule und erfuhren viel über die Historie, z.B. die 800 Jahre andauernde Kolonialisierung Irlands durch das Britische Königreich und den langen Freiheitskampf des Irischen Volkes.

Gastfreundschaft erleben
Untergebracht war ich acht Nächte lang bei einer ausgesprochen freundlichen Gastfamilie im Süden der Stadt. Die Busfahrt zur Schule dauerte zwar 45 Minuten, dafür gab es jeden Abend ein gemeinsames Dinner mit der Familie und einem weiteren Schüler aus Chile, bei dem auf Englisch die Erlebnisse des Tages ausgetauscht wurden. Diese Gespräche waren für mich eine große Bereicherung. Wir schauten zusammen ein spannendes Rugbyspiel (Irland gegen Neuseeland) und verfolgten gemeinsam die Nachrichten zur Präsidentschaftswahl, bei der Catherine Collony am 25. Oktober gewann. Durch diese gemeinsamen Erlebnisse fühlte ich mich schnell zu Hause.
Fazit: Diese Woche in Dublin war für mich eine sehr wertvolle Erfahrung. Ich habe nicht nur meine Englischkenntnisse erweitert, sondern vor allem viele Ideen gesammelt, wie Nachhaltigkeit im Unterricht lebendig werden kann. Besonders freue ich mich über die neuen Kontakte zu Kolleginnen aus verschiedenen europäischen Ländern, mit denen ich künftig gerne gemeinsam Projekte umsetzen möchte. Dank Erasmus+ konnte ich all diese Eindrücke sammeln – und viele davon möchte ich nun an unsere Schülerinnen und Schüler weitergeben.